Feuer und Freiheit – Gyalpo Lhosar 2153
Segen für 2153: Ein besonderer Moment im Kloster – der Segen des Rinpoche soll Schutz und Glück für das neue Jahr bringen. | Foto: © Ashita Tamang
Während der Rinpoche seinen Segen gibt, beginnt eine neue Zeitrechnung: Am 18. Februar 2026 begrüßen wir das Jahr 2153. Es ist Gyalpo Losar, das Fest des Feuerpferdes (Me Lho) – ein Jahr, das uns dazu einlädt, mit neuer Energie und Freiheit mutig voranzugehen.
Ein zweites Neujahr am 18. Februar
Kaum haben wir uns an die Jahreszahl 2026 gewöhnt, dreht sich in Nepal das Rad der Zeit erneut. Am 18. Februar begrüßen die Sherpa-, Hyolmo- und tibetischen Gemeinschaften das Jahr 2153. Mach Platz, Holzschlange – jetzt kommt das Feuerpferd!
War da nicht gerade erst was?
Vielleicht hast du dich gewundert: „Habe ich nicht erst vor ein paar Wochen ‚Happy Losar‘ auf Instagram gelesen?“
Du hast dich nicht getäuscht! Nepal ist das Land der vielen Neuanfänge. Während die Tamang-Community bereits im Januar das Sonam Losar (das Bauern-Neujahr) gefeiert hat, steht jetzt das Gyalpo Losar vor der Tür.
„Gyalpo“ bedeutet König. Historisch gesehen ist dies das „königliche Neujahr“, das einst vom tibetischen Hof etabliert wurde. Es ist das Fest, das vor allem von den Sherpas in den Bergen und den Tibetern im Exil gefeiert wird. Und dieses Jahr fällt der Startschuss auf den 18. Februar 2026.
Willkommen im Jahr des Feuerpferdes (Me Lho)
Nach tibetischer Zeitrechnung verabschieden wir das Jahr der Schlange und springen mit voller Kraft in das Jahr 2153. Das regierende Tier ist das Pferd, das Element ist Feuer.
Was bedeutet das für uns? In der tibetischen Astrologie steht das Pferd für Energie, Freiheit, Reiselust und Kommunikation. Es ist kein Jahr für Stillstand. Kombiniert mit dem Element Feuer verspricht 2026 ein Jahr voller Leidenschaft und Tatendrang zu werden. Es ist die perfekte Zeit, um alte Fesseln zu sprengen und neue Projekte (oder Reisen nach Nepal) anzugehen.
Auf dem Altar finden sich neben Butterlampen und Weizengras auch Kekse und Cola. | Foto: © Ashita Tamang
Süßes für die Götter (und uns): Khapse und Kekse
Wenn du dir die Bilder aus Kathmandu von heute ansiehst, fällt dir sicher eines auf: Überall stehen Teller mit frittierten Teigschleifen. Das ist Khapse – das absolute Muss an jedem Losar! Wochenlang stehen die Familien vorher in der Küche, kneten Teig und frittieren diese Leckereien in allen Formen und Größen.
Und schau mal genau auf die Altäre: Neben den traditionellen Butterlampen und dem heiligen Weizengras (Loe Che) stapeln sich oft ganz pragmatisch Packungen von „Marie Gold“ Keksen und Safttüten. In Nepal mischt sich Tradition ganz wunderbar mit der Moderne – dem Buddha schmeckt schließlich auch, was den Menschen schmeckt!
Ein Segen vom Rinpoche
Für die Gläubigen ist der Besuch im Kloster ein zentraler Bestandteil des Tages. Sie treten vor den Rinpoche (ein Ehrentitel für einen hochrangigen Lehrer), um dessen Segen zu empfangen. Durch das Auflegen der Hand auf den Kopf oder die Übergabe eines gesegneten Bandes soll nach buddhistischer Tradition Schutz und positive Energie für das kommende Jahr gewährt werden.
Neujahrsessen in Kathmandu: Reis, Buttertee, Khapse und viele Süßigkeiten. | Foto: © Ashita Tamang
Das Orakel in der Suppe: Der “Guthuk”-Abend
Im letzten Artikel haben wir euch von der Guthuk-Suppe erzählt. Aber wusstest du, dass diese Suppe traditionell am 29. Tag des letzten Monats (also zwei Tage vor dem eigentlichen Neujahr) gegessen wird und eigentlich ein lustiges Orakel ist?
'Gu' steht für Neun und 'Thuk' für Suppe. In den Topf kommen also mindestens neun Zutaten – meistens Yak-Fleisch, getrockneter Käse, Rettich und alles, was die Speisekammer noch hergibt. Es ist die ultimative 'Reste-Party' im Kochtopf, um das alte Jahr auch kulinarisch abzuschließen.
Neben den normalen Zutaten schwimmen auch große Teigbällchen in der Suppe. Und genau in diesen Kugeln werden kleine Symbole versteckt. Jeder am Tisch bekommt eine und muss sie öffnen. Der Inhalt verrät – mit viel Augenzwinkern – deinen Charakter für das kommende Jahr:
Weiße Wolle: Du hast ein reines, gutmütiges Herz. (Der Jackpot!)
Chili: Du hast eine scharfe Zunge und redest gerne Tacheles.
Kohle: Oh weh! Das steht für ein „schwarzes Herz“ oder Geiz. (Wer das zieht, muss den ganzen Abend den Spott der Familie ertragen – aber alles mit Humor!)
Salz: Du bist faul.
Es ist ein Abend, an dem das ganze Haus vor Lachen bebt, bevor die bösen Geister des alten Jahres rituell aus dem Haus gejagt werden.
Auch die Kleinsten feiern heute in Kathmandu das Jahr des Feuerpferdes. Happy Losar! ✌️ | Foto: © Ashita Tamang
Chemar: Ein Löffel Glück
Wenn du an Losar in Boudhanath oder in den Bergen unterwegs bist, wirst du oft eine bunt bemalte Holzkiste sehen: den Chemar. Er ist gefüllt mit Tsampa (geröstetem Gerstenmehl) und Butter, dekoriert mit bunten Gerstenähren.
Der Brauch ist ein fester Bestandteil des Festes: Dabei wird eine Prise Mehl dreimal als Opfergabe in die Luft geworfen, begleitet vom Ruf „Tashi Delek!“. Anschließend nimmt man eine kleine Prise in den Mund. Es ist der Geschmack von Tradition, der Segen der Erde und der Wunsch, dass im neuen Jahr niemand hungern muss.
Hey Freeda wünscht allen Sherpa-, Hyolmo- und tibetischen Freunden ein kraftvolles Losar Tashi Delek! Möge das Feuerpferd euch Mut, Gesundheit und unbändige Lebensfreude bringen.
Starte das Jahr des Feuer-Pferdes mit einer guten Tat!
Das Pferd steht für Freiheit und Vorwärtsdrang – genau das, was wir uns für die Frauen in Nepal wünschen. Hilf uns, unsere Projekte auch im Jahr 2153 zu unterstützen.
Gut zu wissen: Losar kompakt
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Gyalpo Losar fällt im Jahr 2026 auf den 18. Februar. Es markiert den Beginn des Jahres 2153 im tibetischen Kalender.
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Das Jahr 2153 steht im Zeichen des Feuerpferdes (Me Lho). Es gilt als Jahr der Energie und Veränderung.
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Sonam Losar ist das Neujahr der Tamang-Ethnie (Bauern-Neujahr), während Gyalpo Losar das "königliche Neujahr" der Sherpas und Tibeter ist. Sie finden oft im Abstand von einem Monat statt.

