Hey Freeda – Wie alles begann
Eine Begegnung zwischen zwei Welten
Im Frühjahr 2023 traf ich in Kathmandu auf Tendel, Pema, Tsering, Choezom und Karma. Fünf junge Frauen, deren Geschichte mich tief berührte und die schließlich zum Gründungsfunken für Hey Freeda wurde.
Leben auf 4.500 Metern
Um zu verstehen, warum diese Begegnung so prägend war, muss man wissen, woher sie kommen. Sie stammen aus dem Upper Dolpo, einer der abgelegensten Regionen des Himalaya an der Grenze zu Tibet. Ein Leben auf 4.500 Metern Höhe, wo es keine Autos gibt, sondern Yaks und Pferde. Wo man nicht in den Supermarkt geht, sondern auf die Ernte wartet.
Der Kulturschock als Leistung
In ihrem Heimatdorf Komang endet die Schule nach der Primarstufe. Wer weiterlernen will, muss gehen. Als Kinder, kaum zehn Jahre alt, verließen die Mädchen ihre Familien für Bildung. Der Weg nach Kathmandu ist kein einfacher Umzug – er bedeutet 15 Tage Reise, teils zu Fuß über Pässe, teils mit Bussen und mit dem Flugzeug.
Sie erzählten mir von ihrer Ankunft in der Großstadt. Wie sie Flugzeuge für riesige Adler hielten, die Lärm machten. Wie sie sich vor den “bunten Dingern, die Rauch ausstoßen” (Autos) fürchteten. Wie fremd es war, dass Wasser einfach aus der Wand kommt, statt morgens aus dem See geholt zu werden. Und wie schockierend es für sie war, Fleisch in Läden hängen zu sehen – in ihrer Kultur wartet man, bis ein Tier eines natürlichen Todes stirbt.
Diese jungen Frauen haben nicht nur die Schule gemeistert, sondern einen kompletten Weltenwechsel. Sie haben Nepali und Englisch gelernt, sich angepasst und durchgebissen.
Der Traum vom Heilen – und die Realität
Viele von ihnen träumen davon, Krankenschwester oder Hebamme zu werden. Nicht aus Prestige, sondern aus Notwendigkeit. Sie kennen Geschichten von Brüdern und Schwestern im Dolpo, die an einfachen Knochenbrüchen bleibende Schäden davontrugen oder starben, weil der nächste Arzt zwei Wochen Fußmarsch entfernt war. Sie wollen dieses Wissen zurück in ihre Heimat tragen.
Doch nach dem Schulabschluss endete die Unterstützung durch Patenschaften. Staatliche Hilfen gibt es nicht. Ihre Eltern im Upper Dolpo sind zu arm, um sie zu unterstützen. Die Frauen taten sich zusammen und zogen in eine gemeinsame Wohnung: ein kleines dunkles Zimmer mit Gittern vor den Fenstern. Ohne Wasseranschluss, ohne Küche, ohne eigene Toilette, ohne Einrichtung, ohne jegliche Privatsphäre. Ich habe sie dort besucht.
Vom emotionalen Impuls zur strukturellen Veränderung
Mein erster Impuls war emotional: Ich wollte diesen fünf Frauen sofort helfen. Ich wollte irgendwie diese Lücke füllen, die das System ließ. Aber was ich in diesem Zimmer gesehen habe, war kein Einzelfall – es war ein System: Junge Frauen, die alles geben, um sich durch die Schule zu kämpfen, und danach ins Leere fallen, weil niemand die nächste Stufe finanziert. Der Schulabschluss als Sackgasse statt als Sprungbrett. Im Herbst 2023 gründeten wir den Verein – mit dem Ziel, genau diese strukturelle Lücke zu schliessen.
„Unsere Förderung ist keine Einbahnstraße, sondern eine Partnerschaft. Sie basiert auf Verbindlichkeit und gegenseitigem Vertrauen. Wir stellen die Ressourcen bereit und räumen Hindernisse aus dem Weg – den Weg gehen und gestalten die Frauen selbst.“
Was daraus entstand: Hey Freeda heute
Heute arbeiten wir mit klaren Verträgen, messbaren Meilensteinen und lückenloser Dokumentation. Wir fördern Bildungsprojekte und Frauen, die bereit sind, ihren Weg aktiv mitzugehen. Jede Förderung ist an Eigeninitiative, Nachweise und regelmässige Kommunikation gebunden. Wir räumen Hindernisse aus dem Weg – den Weg gehen müssen die Frauen selbst.
Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Change Action Nepal setzen wir dort an, wo das System versagt: nach der Schule, vor der Ausbildung, an der Stelle, an der Potenzial an fehlenden Ressourcen zerbricht. Die fünf Frauen aus dem Dolpo sind mittlerweile ihre eigenen Weg gegangen – nicht den, den wir uns vorgestellt hatten. Wir respektieren das. Ihre Geschichte bleibt der Grund, warum es Hey Freeda gibt.
Aus dieser Zeit:
Aber diese Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben. Es gibt noch so viele Mädchen und Frauen in Nepal, die wir erreichen wollen. Dafür brauchen wir dich. Nicht nur als Zuschauer, sondern als Verbündete*r.
... und es blühen Blumen auf dem "Balkon".
20 qm² • 5 Mädchen • keine Privatsphäre
🫶
Das einzig Gute an dem Zimmer, es befindet sich in unmittelbarer Nähe zum HKH (das hellgrüne Haus).
Das Haus von Außen.
Das Treppenhaus
Choezom, Tendel, Pema und Tsering (von links nach rechts) Karma fehlt.
Da geht es zur Toilette aka Dusche.
Die Toilette ist gleichzeitig auch die Dusche, und zwar für alle Hausbewohnerïnnen.
Die Farbe vom Treppenhaus ist auch ganz hübsch.
🙋🏽♀️
Leben auf dem Dach der Welt.
2020, auf der Reise von Kathmandu nach Komang.
Komang liegt auf ungefähr 4500 Metern Höhe.
Nur zu Fuß kommt man ins Dorf.
Upper Dolpo
Während des Lockdowns in Komang
Zuhause
Auch die Kleinen helfen beim Tragen.
Briefe in die Zukunft (Stand: April 2023)
„I have the feeling that in the city area, I can earn something with doing some jobs. But it’s difficult to get job require degree holders an much more experience so with my education and ability.“
– Pema
„Tashi Delek! I am Choezom from Dolpo, Himalayan region of Nepal. [...] After finishing my secondery level, I went to my homeland. At that moment I really wanted to do something for my parents and the other villagers. I know how difficult their life is. But I couldn't do anything about the financial situation. So I came back to Kathmandu again. With the hope to complete my education as well as I can and also to find some job.“
– Choezom
„I am planning to get some job outside countries where I can earn better and able come back home and start something with my friends.“
– Karma
„At the moment, I am young and energetic so, I can do all the jobs like taking care of elders, babies, kitchen, cleaning etc. in other countries. But inside country with this job we get very less payment and it's not even enough for fooding.“
– Tendel
„Because of help from others I am here today. I am able to write in english that they open my eyes. Thank you so much!“
– Tsering
Oder willst du nicht nur lesen, sondern handeln?

