Teej in Nepal – Die Töchter kommen nach Hause

 
Frauen in roten und grünen Festkleidern stehen während einer Teej-Feier auf einer Terrasse in Nepal.

In Nepal feiert Rojinas Familie Teej. Rojina selbst steht an diesem Tag in Erlangen im Restaurant, zum ersten Mal verbringt sie das Fest ohne ihre Familie. | Foto: © Swostika Karki

 
 

An Teej laden Eltern ihre verheirateten Töchter zum Feiern nach Hause ein. Es wird ausgiebig gegessen, getanzt und gespielt, anschließend gefastet. Rojina denkt an den Spaß mit ihren Geschwistern und Cousinen und an ihren Großvater, der dann seine ganze Familie um sich hat. Sie selbst fehlt dieses Jahr zum ersten Mal.

Rojina lebt seit Ende August in Nürnberg. Seit dem 1. September macht sie eine dreijährige Ausbildung zur Fachfrau für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie in Erlangen.

Auf die Frage, was ihr an Teej (ungefähr wie das englische Wort „teas“ ausgesprochen) am meisten fehlen wird, muss Rojina nicht lange überlegen: Das Essen ihrer Tanten, die Spiele und der Spaß mit ihren Geschwistern, Cousinen und Cousins, das gemeinsame Singen und Tanzen. Ungefähr 30 Familienmitglieder kommen an Teej zusammen. Bisher war Rojina jedes Jahr dabei.

In diesem Jahr serviert sie in Erlangen spanische Tapas und Aperol Spritz.

Die Töchter kommen nach Hause

Haritalika Teej ist ein hinduistisches Fest, das in Nepal vor allem Frauen feiern. Es beginnt häufig mit einer Reise ins Elternhaus, das Maiti Ghar. Wer nach der Hochzeit anderswo lebt, besucht an Teej die Eltern und Geschwister. Die Väter laden ihre Töchter ausdrücklich ein, erzählt Rojina. Die Rückkehr ins Elternhaus und das gemeinsame Festessen gehören zu den festen Bräuchen von Teej.

Dar Khane Din

Das Fest beginnt am Sonntag, 13. September, mit Dar Khane Din. Dar heißt das Festessen vor dem Fasten. Rojina zählt auf, was dabei alles auf den Tisch kommt: Gorkhali Achhar, Sel Roti, Dahi und Ghee, dazu Khir und 21st-Love-Eis. Danach wird getanzt, gesungen und gespielt.

Mehrere ringförmige Sel Roti liegen in einem grünen Sieb und dahinter in einemgeöffneten Karton.

Kein Teej ohne Sel Roti: Die süßen Ringe aus Reismehl gehören in Rojinas Familie zum Dar, dem Festessen vor dem Fasten. | Foto: © Janine Beck

Kleines Teej-Glossar

• Sel Roti sind süße Reisringe (siehe Bild) • Dahi ist Joghurt • Ghee ist geklärte Butter • Gorkhali Achhar ist eine Art Pickle aus Kartoffeln, Karotten, Gurke, Zwiebeln, Sesam, Chili, Zitronen und Gewürzen • Khir ist Reispudding • 21st-Love-Eis ist eine nepalesische Eissorte, die am ehesten an Stracciatella erinnert •

Rote Saris am Bagmati

Am Montag, 14. September, folgt das Fasten der Frauen und der Besuch von Pashupatinath am Ufer des Bagmati. Dafür ziehen alle ihre roten Saris an. Die verheirateten Frauen tragen Sindur und Tilhari-Schmuck. Rot steht in der hinduistischen Tradition Nepals für Lebenskraft und Glück in der Ehe.

Fünf Frauen in roten Saris und mit traditionellem Schmuck stehen während des Teej-Festes auf einer Straße in Nepal.

Zum Tempelbesuch an Teej tragen verheiratete Frauen in Rojinas Familie rote Saris, Sindur und Tilhari-Schmuck. | Foto: © Swostika Karki

Die Geschichte von Parvati

Der Legende nach fastete Parvati, um Shiva heiraten zu können. Daraus leiten sich Gebete und Fasten an Teej ab. Verheiratete Frauen bitten um das Wohlergehen ihrer Ehemänner; unverheiratete Frauen können für einen künftigen Partner fasten.

In Rojinas Familie fasten die Frauen bis zum Abendessen. Auch an diesem Tag bleibt Zeit für Musik und Tanz. Bevor eine Frau das Fasten bricht, bekommt sie von ihrem Ehemann Wasser zu trinken.

Rojina in Deutschland

Während ihre Familie in Nepal tanzt und feiert, beginnt Rojinas Teej in Erlangen ruhig: ausschlafen, ausgiebig frühstücken. Rojina erzählt von Teej und bringt mir etwas Nepalesisch bei: Wasser (Pani), Schmetterling (Putali), Salz (Nun). Später zieht sie sich für die Arbeit um. Ihre zweite Ausbildungswoche geht zu Ende, eine lange Schicht liegt noch vor ihr.

Teej ohne ihre Familie sei ein bisschen schwer, sagt sie. Sie vermisse ihre Familie, die Musik und das nepalesische Essen. Ich frage Rojina, was ihr Teej bedeutet. Sie muss nicht lange überlegen: Ihr Großvater, sagt sie, ist dann sehr, sehr glücklich. Über ihre Großeltern sagt sie noch etwas: „Meine Oma und mein Opa sind immer noch sehr verliebt ineinander.“

 
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