Frauenrechte Nepal: Ashitas Traum vom MMA-Käfig
Ashita (am Ball) beim Fußball in Kathmandu. Ihr Ziel ist der MMA-Käfig, bis dahin baut sie ihre Ausdauer auf. | Quelle: © Ashita Tamang
„Ich wollte nie ein braves Mädchen sein”
Tief in mir trug ich immer einen kleinen, aber mächtigen Traum – ein starkes Mädchen zu sein. Ich wollte nicht das Leben führen, das andere für mich vorgesehen hatten. In Nepal gibt es klare Vorstellungen davon, wie ein Mädchen zu sein hat: sanft, zurückhaltend, gehorsam.
Doch ich wollte das Bild des „braven Mädchens" durchbrechen – in meiner Familie und in der Gesellschaft. Ich wollte beweisen, dass Mädchen nicht nur sanfte, zerbrechliche Wesen sind. Wir können wild sein. Wir können stark sein. Und wir können unsere eigenen Kämpfe kämpfen.
Der Moment, der alles veränderte
Als ich in der achten Klasse war, entdeckte ich MMA (Mixed Martial Arts). Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich Iman Barlow kämpfen sah – ihre Stärke, ihr Selbstvertrauen, ihre Technik. Alles in mir fing Feuer.
In diesem Augenblick sah ich nicht einfach eine Kämpferin im Ring. Ich sah eine Frau, die sich genommen hatte, was sie wollte. Die sich nie für ihre Stärke entschuldigt hat. Ich stellte mir vor, selbst im Ring zu stehen – nicht nur als Kämpferin, sondern als Zeichen von Mut und Entschlossenheit. Ich träumte davon, anderen Mädchen in Nepal zu zeigen: Auch wir können kämpfen. Auch wir können gewinnen.
Wenn das Leben den Traum bremst
Aber das Leben wurde hektisch. Zwischen Schule, den Erwartungen meiner Familie und den täglichen Herausforderungen als junges Mädchen in Nepal fand ich nie wirklich die Chance, mich auf Muay Thai zu konzentrieren. Die Realität holte mich ein – so wie sie es bei so vielen von uns tut.
Und trotzdem: Dieser Traum ist nie gestorben. Er blieb in meinem Herzen und wartete auf den richtigen Moment. Wie ein Samen, der darauf wartet, endlich zu wachsen.
Stolz über den zweiten Platz ungeachtet der knappen Finalniederlage gegen das Team Calculated Chaos. | Quelle: © Ashita Tamang
Stärke kennt kein Geschlecht
Ich glaube, dass meine Zeit noch kommen wird. Ich habe immer noch die Chance, in diesen Ring zu steigen. Ich weiß nicht, ob ich es jemals zu den nationalen Spielen schaffen werde. Aber ich weiß eines: Ich werde alles geben.
Denn das hier ist für mich nicht nur ein Sport. Es ist so viel mehr. Es ist die Leidenschaft, die mich seit Jahren begleitet. Es ist der Traum eines Mädchens, das sich weigert, gewöhnlich zu sein. Es ist mein Weg zu zeigen, dass nepalesische Frauen nicht in die Schubladen gehören, in die andere uns stecken wollen.
Diese Medaille gewann Ashitas Team für den zweiten Platz im Fußballturnier. | Foto: © Ashita Tamang
Für jedes Mädchen, das kämpfen will
Wenn ich an meinen Traum denke, denke ich nicht nur an mich. Ich denke an jedes Mädchen in Nepal, das sich stark fühlen will, aber nicht weiß, wie. Ich denke an die Mädchen, die ihre Träume verstecken, weil sie Angst davor haben, was andere sagen könnten. Egal was passiert – ich werde für meinen Traum kämpfen. Für mich und für jedes Mädchen, das beweisen will, dass auch wir stark sein können.
Vielleicht werde ich nie Weltmeisterin. Vielleicht werde ich nie berühmt. Aber wenn auch nur ein einziges Mädchen meinen Kampf sieht und denkt: „Wenn sie das kann, dann kann ich das auch" – dann hat es sich gelohnt.
Denn am Ende geht es nicht nur um den Ring. Es geht darum zu zeigen, dass unsere Träume genauso wichtig sind wie die der Jungs. Dass unsere Stärke genauso real ist. Dass wir das Recht haben, wild, stark und furchtlos zu sein.
Das ist mein Kampf. Das ist mein Traum. Und ich werde nicht aufgeben.
MMA-Training erfordert höchste Disziplin. In Nepal haben Frauen oft weder die Mittel noch die gesellschaftliche Akzeptanz für diesen Sport. | Foto: © Vladislav Bychkov via unsplash (Symbolbild)
Was ist MMA?
Mixed Martial Arts (MMA) ist ein Vollkontakt-Kampfsport, der Techniken aus Boxen, Kickboxen, Ringen und Brazilian Jiu-Jitsu vereint.
Warum das politisch ist:
Während Kampfsport zur Selbstverteidigung in Nepal wächst, bleibt professionelles MMA eine Männerdomäne. Es bricht radikal mit dem traditionellen Ideal der Frauen. Zudem fehlen oft die finanziellen Mittel für das teure Training. Wer als Frau in den Käfig steigt, kämpft deshalb doppelt: im Ring gegen die Gegnerin, draußen gegen alte Rollenbilder.
Was Hey Freeda macht
Wir stellen Ressourcen bereit, damit Frauen in Nepal ihren eigenen Weg gehen können. Dazu gehören sichere Wohnplätze und der Zugang zu Bildung, Grund- und medizinischer Versorgung. Gemeinsam mit lokalen Partnern wie Change Action Nepal beseitigen wir finanzielle Hürden, damit junge Frauen selbstbestimmt leben können.
Ashitas Geschichte ist Teil unserer Mission: Frauen in Nepal sichtbar machen und ihnen eine Stimme geben.
Du willst Mädchen wie Ashita unterstützen?
Nicht jedes Mädchen muss in den Ring steigen – aber jedes braucht eine Chance. Ashita kämpft für ihren Traum. Wir sorgen für das Fundament.
Unterstütze junge Frauen in Nepal dabei, unabhängig zu werden – durch Bildung, Schutz und Sport.
The Dream That Burns Inside Me
Original Story in English
Why I, as a Nepalese Girl, Want to Be an MMA Fighter
Deep inside, I always harbored a small but powerful dream – to be a strong girl.
"I Didn't Want to Be the Girl They Expected" I didn't want to live the life others had planned for me. In Nepal, there are clear ideas about how a girl should be: gentle, reserved, obedient. But I wanted to break the "girly" stereotype that existed in my family and in society. I wanted to prove that girls aren't just gentle, fragile beings – we can be fierce, we can be powerful, and we can fight our own battles.
The Moment That Changed Everything When I was in eighth grade, I discovered MMA. I still vividly remember watching Iman Barlow fight – her strength, her confidence, her techniques – everything ignited a fire inside me. In that moment, I didn't just see a fighter in the ring. I saw a woman who had taken what she wanted. Who hadn't apologized for her strength. I imagined myself in the ring, not just as a fighter, but as a symbol of courage and determination. I dreamed of showing other Nepalese girls: We, too, can fight. We, too, can win.
When Life Gets in the Way But as time went on, life became hectic. Between school, my family's expectations, and the daily challenges of being a young girl in Nepal, I never really got the chance to focus on Muay Thai. Reality caught up with me – as it does with so many of us. Still... that dream never died. It remained in my heart, waiting for the right time. Like a seed waiting to finally grow.
Strength Has No Gender And I believe that time is still here. I still have a chance to step into that ring. I don't know if I'll ever make it to the national games, but I do know one thing – I'll give it my all. Because this isn't just a sport for me. It's so much more. It's the passion that's been with me for years. It's the dream of a young girl who refuses to be ordinary. It's my way of showing that Nepalese women don't belong in the boxes people want to put us in.
For Every Girl Who Wants to Fight When I think of my dream, I don't just think of myself. I think of every girl in Nepal who wants to feel strong but doesn't know how. I think of the girls who hide their dreams because they're afraid of what others might say. No matter what happens, I will fight for my dream – for myself and for every girl who wants to prove that we, too, can be strong.
Maybe I'll never be a world champion. Maybe I'll never be famous. But if even one girl sees my fight and thinks, "If she can do it, I can do it too," then it's been worth it. Because in the end, it's not just about the ring. It's about showing that our dreams are just as important as the boys'. That our strength is just as real. That we have the right to be fierce, powerful, and fearless.
This is my fight. This is my dream. And I won't give up.

